Informationen zum Blog

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In diesem Weblog berichte ich über meine verschiedenen Leseprojekte, insbesondere über die Entstehungsgeschichte meiner Bearbeitung von Mark Twains „Tagebüchern von Adam und Eva“.

Außerdem gibt es Einiges über meine früheren Tätigkeiten am Theater und meine Hörbuch-Aufnahmen zu erfahren.

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Sonntag, 28. November 2021

Adventslesung (2)

 Ich bin sehr gespannt und aufgeregt, denn es sieht so aus, als ob meine Lesung - nach den aktuellen Regeln - stattfinden kann, was ja zur Zeit nicht selbstverständlich ist.

Ich hatte in diesem Jahr leider keine Zeit, einen neuen Adventskalender vorzubereiten, aber die Gedichte des letzten Jahres sind ja weiterhin vorhanden (Im Blog-Archiv vom 29.11.2020 bis 6.1.2021).


Donnerstag, 4. November 2021

Adventslesung (1)

 Endlich ist es wieder so weit!

Am 5.12.2021 findet meine erste Lesung nach der langen Corona-Pause statt.

Die Matinee am 2. Adventssonntag um 11 Uhr im Naturfreundehaus Wuppertal (Luhnsfelder Höhe 7, 42369 Wuppertal-Ronsdorf) steht unter dem Motto "Es weihnachtet sehr!" und soll mit alten und neuen, besinnlichen und heiteren Gedichten und Texten auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmen. 

Für den Besuch der Veranstaltung ist (Stand: 4.11.21) der Nachweis der 3G-Regeln (geimpft, genesen, getestet) erforderlich.

Der Eintritt ist frei. Um eine Spende zugunsten der Naturfreunde wird gebeten.

 





Sonntag, 20. Juni 2021

 Leider hatte ich seit Ostern keine Gelegenheit mehr, regelmäßig Gedichte aufzunehmen und zu veröffentlichen, da die Arbeit für die Schule zum Schuljahrsende hin sehr zeitaufwändig war.

Da sich aber das Schuljahr dem Ende zu neigt und die Sommerferien anstehen, und da ich Ende September in Ruhestand gehen werde, der bei mir sicher eine Unruhestand sein wird, hoffe ich in absehbarer Zeit wieder mit verschiedenen  literarischen Projekten aktiv zu werden.

Habt also noch etwas Geduld und schaut immer wieder auf mein Blog, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt. (Die Newsletter-Funktion wurde leider vom Website-Betreiber abgeschafft.)

Montag, 5. April 2021

Ostermontag 2021 – Osterspaziergang - Goethe

 

Zum Ostermontag gibt es den "Osterspaziergang" aus Goethes Faust, in dem Faust mit seinem Famulus Wagner bei einem Spaziergang die Menschen beobachtet, die sich auf den Frühling freuen.

Osterspaziergang (aus „Faust – Der Tragödie erster Teil“)
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes:
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen, finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! Wie behänd sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein.
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!


 

Sonntag, 4. April 2021

Sonntagsgedicht KW13 2021 – Osterpredigt in Reimen - Bierbaum

 Zum heutigen Ostersonntag habe ich die "Osterpredigt in Reimen" von Otto Julius Birnbaum ausgewählt.

Am morgigen Ostermontag wird es ein bekanntes literarisches Meisterstück geben, das besser als jedes andere zu Ostern passt.


Osterpredigt in Reimen - Otto Julius Bierbaum (1865 – 1910)

Verehrter Mitmensch, höre und vernimm
Freundwillig mit Hulden und ohne Grimm:
Dieweil es nun Ostern geworden ist,
Sollst du, von welcher Art du auch bist,
Ob Heide, Jude, Moslem, Christ,
Durchaus vergnügt im Herzen sein,
Osterwürdig und osterrein.

Mit einem Birkenreise kehre
Aus deiner Seele den Geist der Schwere!
Der Wenns und Abers und Achs und Os,
Die hart und starr dein Herz umwindet,
Dass der Geist der Leichte kaum Eingang findet,
Mache dich hurtig und heiter los!

Du brauchst nichts weiter dazu zu tun,
Als dich im Grünen auszuruhn.
Da atmet sich’s sehr wonnig ein,
Was dir das Herz macht frei und rein:
Der jungen Blumen frischer Hauch;
Und die Augen haben der Wonne auch,
Denn nichts ist lieblicher anzusehn,
Als wie sie da hold beisammenstehn,
Blau, weiß und rosa, klar und licht,
Der Erde süßestes Ostergedicht.

An ihnen dir ein Beispiel zu nehmen,
Sollst du, ach Mensch, dich keineswegs schämen!
Vergiss dein Gehirn eine Weile und sei
Gedankenlos dem lieben Leben
Blumeninnig hingegeben;
Vergiss dein Begehren, vergiss dein Streben
Und sei in seliger Einfalt frei
Des Zwangs, der dich durchs Hirn regiert!

Er hat dich freilich hoch geführt
Und vieles dir zu wissen gegeben,
Aber das allertiefste Leben
Wird nicht gewusst, wird nur gespürt.
Der Blumen zarte Wurzeln fühlen
Im keimlebendigen, frühlingskühlen
Erdboden mehr von ihm als du.
Und bist doch auch ein Kind der Erde.
Dass sie nicht sinnenfremd dir werde,
Wende ihr heut die Sinne zu!

Das ist der festlich tiefe Sinn
Der Ostertage: Mit Entzücken
Sollst du zum Mutterschoß dich bücken.
Gib heut, o Mensch, dich innerst zu beglücken,
Der Mutter Erde frühlingsfromm dich hin!


 

 

Sonntag, 28. März 2021

Sonntagsgedicht KW12 2021 – März - Ludwig Thoma

Heute gibt es ein heiteres vorösterliches Gedicht des Schriftstellers Ludwig Thoma.

März - Ludwig Thoma (1867 – 1921)

Ah! Wie die buttergelbe Sonne
Uns wärmend durch die Poren dringt!
Wie neu erwachte Frühlingswonne
Uns das vergrämte Herz beschwingt!

Dem wintermüden Menschentume
Erheitert ihr die Phantasie,
Schneeglöckchen, Veilchen, Schlüsselblume
Und was auf Wiesen sonst gedieh!

Im Mistbeet herrscht ein reges Leben;
Das drängt sich an das helle Licht
Und will uns bald Gemüse geben,
Will Zutat sein zum Leibgericht.

Und wie sich froh den Hühnersteißen
Entringt das liebe Osterei!
So mag sich die Natur befleißen,
Dass sie nebst schön auch schmackhaft sei.

Ludwig Thoma (1867 – 1921)

 


Sonntag, 21. März 2021

Sonntagsgedicht KW11 2021 – Im März - Gertrud Goes

Gertrud Goes veröffentlichte kurz vor ihrem frühen Tod ein Buch mit Gedichten und Erzählungen "Aus Licht und Schatten", aus dem auch dieses Gedicht stammt.

Im März - Gertrud Goes (1878 – 1915)

Der Winter grollt: „Noch bin ich Herr im Lande!
Wie darf dies ekle Grün mein weißes Kleid beflecken?
Die Wolken peitsche, Nord! dass sie mit Schnee bedecken
Die Schmach auf meinem fürstlichen Gewande!
Ich weiche nicht dem Lenz, dem jungen Kinde!“
Unruhvoll heulen die Winde.

Die Bäume raunen: „Ist der Winter trunken?
Schaut doch, er wankt zum See!“ Der Westwind voller Tücke,
Der schmeichelt: „Herr, wie kunstvoll fügtest du die Brücke
Aus festem Eis!“ – Da ist er schon versunken,
Den Winter hat der dunkle See begraben! –
Irgendwo krächzen die Raben.

Die Wolken eilen hastig hin und wider.
„Was ist?“ – „Der König ist tot!“ – „Heil König Lenz, dem jungen!“
Die tollen Winde jauchzen mit gewalt’gen Zungen,
Die Amsel flötet neue Krönungslieder.
Still, still! Wer trat da eben mit so lindem Schritte
Heimlich in unsre Mitte?
– Lenz!

Gertrud Goes (1878 – 1915)



 

Sonntag, 14. März 2021

Sonntagsgedicht KW10 2021 – Märztag - von Liliencron - Märzsonne - Presber

Für den heutigen Sonntag, mitten im März, habe ich zwei kurze Gedichte von Detlev von Liliencron, der einer der bedeutendsten deutschen Lyriker seiner Zeit war, und Rudolf Presber, einem Schriftsteller und Bühnenautor, ausgewählt.

 Märztag - Detlev von Liliencron (1844 – 1909)

Wolkenschatten fliehen über Felder,
Blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
Kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
Überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder;
Kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen;
Wollt es halten, musst es schwimmen lassen.

Detlev von Liliencron (1844 – 1909)


 

 Märzsonne - Rudolf Presber (1868 – 1935)

 Nun wandr' ich über Berg und Tal,
Die Welt steht blühend offen,
Mich hat mit erstem Sonnenstrahl
Der Lenz ins Herz getroffen.

Ich hör' das kleine freche Herz
Im dunklen Brustkorb lachen;
Es weiß, es wird im grünen März
Eine selige Dummheit machen.

Rudolf Presber (1868 – 1935)


 


Sonntag, 7. März 2021

Sonntagsgedicht KW09 2021 – März - Cäsar Flaischlen

Heute gibt es ein weiteres Gedicht des deutschen Schriftstellers und Journalisten Cäsar Otto Hugo Flaischlen, der Romane, Theaterstücke und Gedichte veröffentlicht hat.
 

März - Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)

Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
So lockend die Sonne vom Himmel blitzt,
so lockend alles glänzt und glitzt…
Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
Es werden Tage wieder kommen,
bevor erblüht, wovon du träumst,
da alles wie vorher trostlos weh
im Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Und doch und dennoch: Mit jubelndem Liede
grüße dies frohe befreiende Blau
über all dem farblosen Grau,
freu dich der flimmernden Mittagsstunden,
sonne das Herz dir zu keimender Kraft,
daß es dem müde machenden Winter
und seiner Enttäuschung sich wieder entrafft!

Nur warte, nur wart noch! Es wird sich erfüllen,
es wird sich erfüllen, was du ersehnst:
Glutig auflodern wird es am Himmel,
über die Berge her wird es wehn
und wie donnernde Osterglocken
wird es durch die Lande gehn…

Nur warte, nur wart noch und hab Geduld!
So schön und so köstlich dies blitzende Blau
mit seinem süßen stillen Locken,
es kommen Tage noch und Wochen,
farblos grau,
da alles wie vorher trostlos weh
in Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)


 

 

Sonntag, 28. Februar 2021

Sonntagsgedicht KW08 2021 – Früher Frühling - Fred Endrikat

 

Fred Endrikat hat hauptsächlich Texte für das literarische Kabarett (in der Art Morgensterns und Ringelnatz') verfasst und außerdem humoristische und satirische Einakter.
In diesem Gedicht begrüßt er am Übergang zwischen Februar und März die ersten Zeichen des Frühlings.

  

Früher Frühling - Fred Endrikat (1890 – 1942)

Zwischen Februar und März
liegt die große Zeitenwende,
und, man spürt es allerwärts,
mit dem Winter geht’s zu Ende.
Schon beim ersten Sonnenschimmer
steigt der Lenz ins Wartezimmer.
Keiner weiß, wie es geschah,
und auf einmal ist der da.

Manche Knospe wird verschneit
zwar im frühen Lenz auf Erden.
Alles dauert seine Zeit,
nur Geduld, es wird schon werden.
Folgt auch noch ein rauer Schauer,
lacht der Himmel um so blauer.
Leichter schlägt das Menschenherz
zwischen Februar und März.


Sonntag, 21. Februar 2021

Sonntagsgedicht KW07 2021 – Februar - Cäsar Flaischlen

Der deutsche Schriftsteller, Journalist und Redakteur Cäsar Otto Hugo Flaischlen hat neben Romanen, Theaterstücken und hochdeutschen Gedichten auch Lyrikbände im schwäbischen Dialekt veröffentlicht.

  

Februar - Cäsar Flaischlen (1864 - 1920)

Schon leuchtet die Sonne wieder am Himmel
und schmilzt die Schneelast von den Dächern
und taut das Eis auf an den Fenstern
und lacht ins Zimmer: wie geht's? wie steht's?

Und wenn es auch noch lang nicht Frühling,
so laut es überall tropft und rinnt ...
du sinnst hinaus über deine Dächer ...
du sagst, es sei ein schreckliches Wetter,
man werde ganz krank! und bist im stillen
glückselig drüber wie ein Kind.

 


Sonntag, 14. Februar 2021

Sonntagsgedicht KW06 2021 – Berliner Fasching - Kurt Tucholsky

 

In diesem Jahr wird ja auch hier im Rheinland coronabedingt nur wenig Karneval gefeiert.
Kurt Tucholsky berichtet uns, wie es vor hundert Jahren (1919) im Berliner Fasching zuging.

 

Berliner Fasching - Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Nun spuckt sich der Berliner in die Hände
und macht sich an das Werk der Fröhlichkeit.
Er schuftet sich von Anfang bis zum Ende
durch diese Faschingszeit.

Da hört man plötzlich von den höchsten Stufen
der eleganten Weltgesellschaft längs
der Spree und den Kanälen lockend rufen:
"Rin in die Escarpins!"

Und diese Laune, diese Grazie, weißte,
die hat natürlich alle angesteckt;
die Hand, die tagshindurch Satin verschleißte,
winkt ganz leschehr nach Sekt.

Die Dame faschingt so auf ihre Weise:
Gibt man ihr einmal schon im Jahr Lizenz,
dann knutscht sie sich in streng geschlossnem Kreise,
fern jeder Konkurrenz.

Und auch der Mittelstand fühlts im Gemüte:
Er macht den Bockbierfaßhahn nicht mehr zu,
umspannt das Haupt mit einer bunten Tüte
und ruft froh: "Juhu!"

Ja, selbst der Weise schätzt nicht nur die hehre
Philosophie: auch er bedarf des Weins!
Leicht angefüllt geht er bei seine Claire,
Berlin radaut, er lächelt...
Jeder seins.


Sonntag, 7. Februar 2021

Sonntagsgedicht KW05 2021 – ohne Titel – Georg Christian Bernhardi – Februar – Ernst Lissauer

 

Den Monat Februar beginne ich mit zwei kurzen Gedichten, die beide etwas Positives in diesem Monat sehen.

 

Georg Christian Bernhardi (1722 - 1789)

Ein jeder Tag hat seine Plage;
Hat nun der Monat dreißig Tage,
So ist das Elend klar.

In dir kann man sicher sagen,
Dass man die kleinste Last getragen,
O schöner Februar!



Februar – Ernst Lissauer (1882-1927)

O seliger Anfang Februar!
Es steigt das Jahr.
Die Sonne kehrt zurück, und länger bleibt das Licht.
Ich fühle mich von stiller Kraft durchfeuert,
Die rinnend weit mir das Geblüt durchflicht,
Ich treibe wachsend Ring und Schicht,
Ich werd’ erneuert.

Sonntag, 31. Januar 2021

Sonntagsgedicht KW04 2021 – Sehnsucht nach dem Frühling - Hoffmann von Fallersleben

  

Zum Ende des Januars wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass bald der Frühling komme und das Wetter schöner werde, damit man wieder die Natur genießen kann.

 

Sehnsucht nach dem Frühling - Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

O wie ist es kalt geworden
und so traurig, öd` und leer!
Raue Winde wehn von Norden,
und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht` ich fliegen,
möchte sehn ein grünes Tal,
möcht` in Gras und Blumen liegen
und mich freun am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang,
möchte freuen mich im Freien
an der Vögel süßem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,
lieber Frühling, komm doch bald,
bring uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald.

 

Sonntag, 24. Januar 2021

Sonntagsgedicht KW03 2021 – Freundesbrief an einen Melancholischen - Bierbaum

 

„Es gibt bittere Augenblicke in diesem Leben; die Hauptsache ist, damit fertig zu werden.“

Dieses Zitat stammt von Otto Julius Bierbaum, auch Martin Möbius, deutscher Lyriker, Romanautor und Herausgeber der Zeitschrift »Pen«.
Für alle, die sich zurzeit immer wieder beklagen, wie schlimm doch alles sei, und deshalb fast verzweifeln, gibt Birnbaum in seinem „Freundesbrief an einen Melancholischen“ einige hilfreiche – aber nicht ganz ernst zu nehmende – Ratschläge.

 

Freundesbrief an einen Melancholischen - Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Du klagst, mein Freund, und jammerst sehr,
Wie elend dieses Leben wär;
Es sei nicht auszuhalten. –
Was klagst du denn? Es ist dein Recht,
Bist du ein müd und fauler Knecht,
Dich gänzlich auszuschalten.
Kauf dir, o Freund, ein Pistolet
Und schieß dich tot, – hurra, juchhe!
Dann bist du gleich gestorben.

Doch macht des Pulvers Knallgetös
Dich, weil nervös du bist, nervös,
Brauchst du nicht zu verzagen.
Ich weiß ein Mittel ohne Knall,
Geräuschlos, prompt; für jeden Fall
Will ich dirs hiermit sagen:
O speise, Freundchen, Strychenin!
Das wird dich in den Himmel ziehn.
Dort geigst du mit den Engeln.

Falls aber, weil du heikel bist,
Strychnin dir unsympathisch ist
(Es schmeckt ein bisschen fade),
So brauchst du nicht gleich bös zu sein;
Mir fällt schon etwas andres ein:
Geh auf die Promenade
Und hänge dich an einen Ast.
Sobald du ausgezappelt hast,
Hängst du für ewig stille.

Wie? Kitzlig bist du an dem Hals?
Wohl, mein Geliebter! Diesesfalls
Gilts anderes Gebaren:
Spring in den Fluss, stürz dich vom Turm,
Lass dich gleich einem Regenwurm
Elektrisch überfahren.
Auch ist ein ziemlich sichrer Tod
Der durch komplette Atemnot
Infolge Ofengasen.

Du schüttelst immer noch den Kopf?
Ei, du verruchter Sauertopf,
Geh hin, dich zu purgieren!
Mach dir Bewegung, fauler Bauch,
So wird die liebe Seele auch
Vergnügt im Sein spazieren.
Ein wackres Wort heißt: resolut!
Hast du zum Sterben nicht den Mut,
So lebe mit Courage!

 

Sonntag, 17. Januar 2021

Sonntagsgedicht KW02 2021 – In der Winternacht - Weber – Im Winterboden - Mörike


 

Für dieses Wochenende habe ich zwei kurze Gedichte ausgesucht, die beschreiben, dass im Winter die Samen unter dem Schnee oder im Boden versteckt zu keimen beginnen, die uns später im Jahr entweder mit Brot versorgen oder als Blumen mit ihrer Schönheit erfreuen. Beide Dichter, Friedrich Wilhelm Weber und Eduard Mörike lebten im neunzehnten Jahrhundert ungefähr zur gleichen Zeit.

 

In der Winternacht - Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894)

Es wächst viel Brot in der Winternacht,
weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
spürst du, was Gutes der Winter tat.


Und deucht die Welt dir öd und leer,
und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht
es wächst viel Brot in der Winternacht.


 

Im Winterboden schläft ein Blumenkeim - Eduard Mörike (1804-1875)

Im Winterboden schläft ein Blumenkeim.
Der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel
in Frühlingsnächten wiegt den samtnen Flügel,
nie soll er kosten deinen Honigseim.

 

Wer aber weiß, ob nicht sein zarter Geist,
wenn jede Zier des Sommers hingesunken,
dereinst, von deinem leisen Dufte trunken,
mir unsichtbar, dich blühende umkreist?

 

Sonntag, 10. Januar 2021

Sonntagsgedicht KW01 2021 - Januar - Robert Reinick

 

Das erste Sonntagsgedicht in diesem Jahr passt meiner Meinung nach hervorragend zu unserer derzeitigen Situation. Es beschreibt das aktuelle Wetter (jedenfalls hier in Wuppertal) – bedeckter Himmel und Schnee – und es will uns Mut machen, (trotz Corona) nach draußen an die frische Winterluft zu gehen und die erlaubten und möglichen Freiheiten zu genießen.

 

Januar - RobertReinick (1805 – 1852)


Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiß;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift!
Doch meint er’s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker, schämet euch.
Kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an!

 

Mittwoch, 6. Januar 2021

Adventskalender - 6.1.2021 – Heine – Die Heil'gen Drei Könige – Schlegel – Die heiligen drei Könige

Dies ist der letzte Beitrag meines Adventskalenders mit insgesamt 50 Gedichten zur Advents- und Weihnachtszeit an 39 Tagen vom ersten Advent bis zum heutigen Dreikönigstag. Die Auswahl und das Lesen und Aufnehmen der bekannten und unbekannten Gedichte, deren Entstehungszeit von der Mitte des 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts reichte, hat mir viel Spaß gemacht, so dass ich beschlossen habe, auf meinem Literaturblog weiterhin wöchentlich ein "Sonntagsgedicht" zu veröffentlichen. Schaut also immer wieder hier hinein oder meldet euch für meinen Newsletter an (rechts am Rand) und teilt auch gerne den Link zu meinem Blog.

 

Die Heil'gen Drei Könige - Heinrich Heine (1797-1856)

Die Heil'gen Drei Könige aus Morgenland,
sie frugen in jedem Städtchen:

„Wo geht der Weg nach Bethlehem,
ihr lieben Buben und Mädchen?"

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
die Könige zogen weiter;

Sie folgten einem goldenen Stern,
der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehn über Josephs Haus,
da sind sie hineingegangen;

Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
die Heil'gen Drei Könige sangen.

 

 

Die heiligen drei Könige - August Wilhelm Schlegel (1767 – 1845)

Aus fernen Landen kommen wir gezogen;
Nach Weisheit strebten wir seit langen Jahren,
Doch wandern wir in unsern Silberhaaren.
Ein schöner Stern ist vor uns hergeflogen.

Nun steht er winkend still am Himmelsbogen:
Den Fürsten Juda’s muss dies Haus bewahren.
Was hast du, kleines Bethlehem, erfahren?
Dir ist der Herr vor allen hochgewogen.

Holdselig Kind, lass auf den Knie’n dich grüßen!
Womit die Sonne unsre Heimat segnet,
Das bringen wir, obschon geringe Gaben.

Gold, Weihrauch, Myrrhen, liegen dir zu Füßen;
Die Weisheit ist uns sichtbarlich begegnet,
Willst du uns nur mit einem Blicke laben.

 

 

Dienstag, 5. Januar 2021

Adventskalender - 5.1.2021 – Rilke – Die hohen Tannen atmen

Im letzten kurzen Wintergedicht meines Adventskalenders beschreibt Rainer Maria Rilke einen verschneiten Wintertag. Morgen könnt ihr das letzte Türchen meines lyrischen Kalenders mit zwei Gedichten zum Dreikönigstag öffnen.

Die hohen Tannen atmen - Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, –
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.

 

Montag, 4. Januar 2021

Adventskalender - 4.1.2021 – Claudius – Ein Lied hinterm Ofen zu singen


Matthias Claudius
beschreibt auf heitere Art die Eigenschaften des Winters.

 Ein Lied hinterm Ofen zu singen - Matthias Claudius (1740 – 1815)

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er's;
er krankt und kränkelt nimmer,
weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs
und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an
und läßt's vorher nicht wärmen
und spottet über Fluß im Zahn
und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
haßt warmen Drang und warmen Klang
und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn's Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert;

wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich' und Seen krachen;
das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
dann will er sich tot lachen.

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande;
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.

So ist er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.