In diesem Jahr wird ja auch hier im Rheinland coronabedingt nur wenig Karneval gefeiert.
Kurt Tucholsky berichtet uns, wie es vor hundert Jahren (1919) im Berliner Fasching zuging.
Berliner Fasching - Kurt Tucholsky (1890 – 1935)
Nun spuckt sich
der Berliner in die Hände
und macht sich
an das Werk der Fröhlichkeit.
Er schuftet
sich von Anfang bis zum Ende
durch diese
Faschingszeit.
Da hört man
plötzlich von den höchsten Stufen
der eleganten
Weltgesellschaft längs
der Spree und
den Kanälen lockend rufen:
"Rin in
die Escarpins!"
Und diese
Laune, diese Grazie, weißte,
die hat
natürlich alle angesteckt;
die Hand, die
tagshindurch Satin verschleißte,
winkt ganz
leschehr nach Sekt.
Die Dame
faschingt so auf ihre Weise:
Gibt man ihr
einmal schon im Jahr Lizenz,
dann knutscht
sie sich in streng geschlossnem Kreise,
fern jeder
Konkurrenz.
Und auch der
Mittelstand fühlts im Gemüte:
Er macht den
Bockbierfaßhahn nicht mehr zu,
umspannt das
Haupt mit einer bunten Tüte
und ruft froh:
"Juhu!"
Ja, selbst der
Weise schätzt nicht nur die hehre
Philosophie:
auch er bedarf des Weins!
Leicht
angefüllt geht er bei seine Claire,
Berlin radaut,
er lächelt...
Jeder seins.
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