Für dieses Wochenende habe ich zwei kurze Gedichte ausgesucht, die beschreiben, dass im Winter die Samen unter dem Schnee oder im Boden versteckt zu keimen beginnen, die uns später im Jahr entweder mit Brot versorgen oder als Blumen mit ihrer Schönheit erfreuen. Beide Dichter, Friedrich Wilhelm Weber und Eduard Mörike lebten im neunzehnten Jahrhundert ungefähr zur gleichen Zeit.
In der Winternacht - Friedrich
Wilhelm Weber (1813-1894)
Es wächst viel Brot in der Winternacht,
weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
spürst du, was Gutes der Winter tat.
Und deucht die Welt dir öd und leer,
und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht
es wächst viel Brot in der Winternacht.
Im Winterboden schläft ein Blumenkeim - Eduard Mörike (1804-1875)
Im Winterboden
schläft ein Blumenkeim.
Der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel
in Frühlingsnächten wiegt den samtnen Flügel,
nie soll er kosten deinen Honigseim.
Wer aber weiß,
ob nicht sein zarter Geist,
wenn jede Zier des Sommers hingesunken,
dereinst, von deinem leisen Dufte trunken,
mir unsichtbar, dich blühende umkreist?
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