Der Dichter und Maler Robert Reinick bietet uns in seinem Gedicht einen Ausblick auf das herannahende Christkind mit seinem Begleiter Knecht Ruprecht, die von ferne her durch den Winterwald gezogen kommen.
Der Weihnachtsaufzug - Robert Reinick (1805-1852)
Bald
kommt die liebe Weihnachtszeit,
worauf die ganze Welt sich freut;
das
Land, so weit man sehen kann,
sein Winterkleid hat angetan.
Schlaf
überall; es hat die Nacht
die laute Welt zur Ruh gebracht –
kein
Sternenlicht, kein grünes Reis,
der Himmel schwarz, die Erde weiß.
Da
blinkt von fern ein heller Schein -
was mag das für ein Schimmer sein?
Weit
übers Feld zieht es daher,
als ob's ein Kranz von Lichtern wär',
und
näher rückt es hin zur Stadt,
obgleich verschneit ist jeder Pfad.
Ei
seht, ei seht! Es kommt heran!
Oh, schauet doch den Aufzug an!
Zu
Ross ein wunderlicher Mann
mit langem Bart und spitzem Hute,
in
seinen Händen Sack und Rute.
Sein
Gaul hat gar ein bunt Geschirr,
von Schellen dran ein blank Gewirr;
am
Kopf des Gauls, statt Federzier,
ein Tannenbaum voll Lichter hier;
der
Schnee erglänzt in ihrem Schein,
als wär's ein Meer von Edelstein. –
Wer
aber hält den Tannenzweig?
Ein Knabe, schön und wonnereich;
's ist
nicht ein Kind von unsrer Art,
hat Flügel an dem Rücken zart. –
Das
kann fürwahr nichts andres sein,
als wie vom Himmel ein Engelein!
Nun
sagt mir, Kinder, was bedeut't
ein solcher Zug in solcher Zeit? -
Was
das bedeut't? Ei, seht doch an,
da frag ich grad beim Rechten an!
Ihr
schelmischen Gesichterchen,
ich merk's ihr kennt die Lichterchen,
kennt
schon den Mann mit spitzem Hute,
kennt auch den Baum, den Sack, die Rute.
Der
alte bärt'ge Ruprecht hier,
er pocht' schon oft an eure Tür;
droht'
mit der Rute bösen Buben;
warf Nüss' und Äpfel in die Stuben
für
Kinder, die da gut gesinnt. –
Doch
kennt ihr auch das Himmelskind?
Oft
bracht' es ohne euer Wissen,
wenn ihr noch schlieft in weichen Kissen,
den
Weihnachtsbaum zu euch ins Haus,
putzt' wunderherrlich ihn heraus;
Geschenke
hing es bunt daran
und steckt' die vielen Lichter an;
flog
himmelwärts und schaute wieder
von dort auf euren Jubel nieder.
O
Weihnachtszeit, du schöne Zeit,
so überreich an Lust und Freud'!
Hör
doch der Kinder Wünsche an
und komme bald, recht bald heran,
und
schick uns doch, wir bitten sehr,
mit vollem Sack den Ruprecht her.
Wir
fürchten seine Rute nicht,
wir taten allzeit unsre Pflicht.
Drum
schick uns auch den Engel gleich
mit seinem Baum, an Gaben reich.
O
Weihnachtszeit, du schöne Zeit,
worauf die ganze Welt sich freut!
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