Zu meinem Geburtstag, der in diesem Jahr auf den dritten
Advent fällt, habe ich zwei Gedichte ausgesucht, die mir beide ganz besonders
gefallen.
Zuerst das wunderschöne bekannte Adventsgedicht von Rainer Maria Rilke, das 1897
entstanden ist.
Als zweites „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff, das ich schon seit meiner
Jugend kenne und liebe, weil es auch ein Lieblingsgedicht meiner Mutter ist.
Advent - Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)
Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.
Weihnachten - Joseph von Eichendorff (1788 – 1857)
Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!
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