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In diesem Weblog berichte ich über meine verschiedenen Leseprojekte, insbesondere über die Entstehungsgeschichte meiner Bearbeitung von Mark Twains „Tagebüchern von Adam und Eva“.

Außerdem gibt es Einiges über meine früheren Tätigkeiten am Theater und meine Hörbuch-Aufnahmen zu erfahren.

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Sonntag, 28. März 2021

Sonntagsgedicht KW12 2021 – März - Ludwig Thoma

Heute gibt es ein heiteres vorösterliches Gedicht des Schriftstellers Ludwig Thoma.

März - Ludwig Thoma (1867 – 1921)

Ah! Wie die buttergelbe Sonne
Uns wärmend durch die Poren dringt!
Wie neu erwachte Frühlingswonne
Uns das vergrämte Herz beschwingt!

Dem wintermüden Menschentume
Erheitert ihr die Phantasie,
Schneeglöckchen, Veilchen, Schlüsselblume
Und was auf Wiesen sonst gedieh!

Im Mistbeet herrscht ein reges Leben;
Das drängt sich an das helle Licht
Und will uns bald Gemüse geben,
Will Zutat sein zum Leibgericht.

Und wie sich froh den Hühnersteißen
Entringt das liebe Osterei!
So mag sich die Natur befleißen,
Dass sie nebst schön auch schmackhaft sei.

Ludwig Thoma (1867 – 1921)

 


Sonntag, 21. März 2021

Sonntagsgedicht KW11 2021 – Im März - Gertrud Goes

Gertrud Goes veröffentlichte kurz vor ihrem frühen Tod ein Buch mit Gedichten und Erzählungen "Aus Licht und Schatten", aus dem auch dieses Gedicht stammt.

Im März - Gertrud Goes (1878 – 1915)

Der Winter grollt: „Noch bin ich Herr im Lande!
Wie darf dies ekle Grün mein weißes Kleid beflecken?
Die Wolken peitsche, Nord! dass sie mit Schnee bedecken
Die Schmach auf meinem fürstlichen Gewande!
Ich weiche nicht dem Lenz, dem jungen Kinde!“
Unruhvoll heulen die Winde.

Die Bäume raunen: „Ist der Winter trunken?
Schaut doch, er wankt zum See!“ Der Westwind voller Tücke,
Der schmeichelt: „Herr, wie kunstvoll fügtest du die Brücke
Aus festem Eis!“ – Da ist er schon versunken,
Den Winter hat der dunkle See begraben! –
Irgendwo krächzen die Raben.

Die Wolken eilen hastig hin und wider.
„Was ist?“ – „Der König ist tot!“ – „Heil König Lenz, dem jungen!“
Die tollen Winde jauchzen mit gewalt’gen Zungen,
Die Amsel flötet neue Krönungslieder.
Still, still! Wer trat da eben mit so lindem Schritte
Heimlich in unsre Mitte?
– Lenz!

Gertrud Goes (1878 – 1915)



 

Sonntag, 14. März 2021

Sonntagsgedicht KW10 2021 – Märztag - von Liliencron - Märzsonne - Presber

Für den heutigen Sonntag, mitten im März, habe ich zwei kurze Gedichte von Detlev von Liliencron, der einer der bedeutendsten deutschen Lyriker seiner Zeit war, und Rudolf Presber, einem Schriftsteller und Bühnenautor, ausgewählt.

 Märztag - Detlev von Liliencron (1844 – 1909)

Wolkenschatten fliehen über Felder,
Blau umdunstet stehen ferne Wälder.

Kraniche, die hoch die Luft durchpflügen,
Kommen schreiend an in Wanderzügen.

Lerchen steigen schon in lauten Schwärmen,
Überall ein erstes Frühlingslärmen.

Lustig flattern, Mädchen, deine Bänder;
Kurzes Glück träumt durch die weiten Länder.

Kurzes Glück schwamm mit den Wolkenmassen;
Wollt es halten, musst es schwimmen lassen.

Detlev von Liliencron (1844 – 1909)


 

 Märzsonne - Rudolf Presber (1868 – 1935)

 Nun wandr' ich über Berg und Tal,
Die Welt steht blühend offen,
Mich hat mit erstem Sonnenstrahl
Der Lenz ins Herz getroffen.

Ich hör' das kleine freche Herz
Im dunklen Brustkorb lachen;
Es weiß, es wird im grünen März
Eine selige Dummheit machen.

Rudolf Presber (1868 – 1935)


 


Sonntag, 7. März 2021

Sonntagsgedicht KW09 2021 – März - Cäsar Flaischlen

Heute gibt es ein weiteres Gedicht des deutschen Schriftstellers und Journalisten Cäsar Otto Hugo Flaischlen, der Romane, Theaterstücke und Gedichte veröffentlicht hat.
 

März - Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)

Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
So lockend die Sonne vom Himmel blitzt,
so lockend alles glänzt und glitzt…
Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
Es werden Tage wieder kommen,
bevor erblüht, wovon du träumst,
da alles wie vorher trostlos weh
im Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Und doch und dennoch: Mit jubelndem Liede
grüße dies frohe befreiende Blau
über all dem farblosen Grau,
freu dich der flimmernden Mittagsstunden,
sonne das Herz dir zu keimender Kraft,
daß es dem müde machenden Winter
und seiner Enttäuschung sich wieder entrafft!

Nur warte, nur wart noch! Es wird sich erfüllen,
es wird sich erfüllen, was du ersehnst:
Glutig auflodern wird es am Himmel,
über die Berge her wird es wehn
und wie donnernde Osterglocken
wird es durch die Lande gehn…

Nur warte, nur wart noch und hab Geduld!
So schön und so köstlich dies blitzende Blau
mit seinem süßen stillen Locken,
es kommen Tage noch und Wochen,
farblos grau,
da alles wie vorher trostlos weh
in Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)