In diesem Weblog berichte ich über meine verschiedenen Leseprojekte, insbesondere über die Entstehungsgeschichte meiner Bearbeitung von Mark Twains „Tagebüchern von Adam und Eva“.
Außerdem gibt es Einiges über meine früheren Tätigkeiten am Theater und meine Hörbuch-Aufnahmen zu erfahren.
Zum Ende des
Januars wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass bald der Frühling komme
und das Wetter schöner werde, damit man wieder die Natur genießen kann.
„Es gibt bittere
Augenblicke in diesem Leben; die Hauptsache ist, damit fertig zu werden.“
Dieses Zitat
stammt von Otto Julius Bierbaum, auch Martin Möbius, deutscher Lyriker,
Romanautor und Herausgeber der Zeitschrift »Pen«.
Für alle, die sich zurzeit immer wieder beklagen, wie schlimm doch alles sei, und
deshalb fast verzweifeln, gibt Birnbaum in seinem „Freundesbrief an einen
Melancholischen“ einige hilfreiche – aber nicht ganz ernst zu nehmende –
Ratschläge.
Du klagst, mein
Freund, und jammerst sehr,
Wie elend dieses Leben wär;
Es sei nicht auszuhalten. –
Was klagst du denn? Es ist dein Recht,
Bist du ein müd und fauler Knecht,
Dich gänzlich auszuschalten.
Kauf dir, o Freund, ein Pistolet
Und schieß dich tot, – hurra, juchhe!
Dann bist du gleich gestorben.
Doch macht des
Pulvers Knallgetös
Dich, weil nervös du bist, nervös,
Brauchst du nicht zu verzagen.
Ich weiß ein Mittel ohne Knall,
Geräuschlos, prompt; für jeden Fall
Will ich dirs hiermit sagen:
O speise, Freundchen, Strychenin!
Das wird dich in den Himmel ziehn.
Dort geigst du mit den Engeln.
Falls aber, weil du
heikel bist,
Strychnin dir unsympathisch ist
(Es schmeckt ein bisschen fade),
So brauchst du nicht gleich bös zu sein;
Mir fällt schon etwas andres ein:
Geh auf die Promenade
Und hänge dich an einen Ast.
Sobald du ausgezappelt hast,
Hängst du für ewig stille.
Wie? Kitzlig bist
du an dem Hals?
Wohl, mein Geliebter! Diesesfalls
Gilts anderes Gebaren:
Spring in den Fluss, stürz dich vom Turm,
Lass dich gleich einem Regenwurm
Elektrisch überfahren.
Auch ist ein ziemlich sichrer Tod
Der durch komplette Atemnot
Infolge Ofengasen.
Du schüttelst immer
noch den Kopf?
Ei, du verruchter Sauertopf,
Geh hin, dich zu purgieren!
Mach dir Bewegung, fauler Bauch,
So wird die liebe Seele auch
Vergnügt im Sein spazieren.
Ein wackres Wort heißt: resolut!
Hast du zum Sterben nicht den Mut,
So lebe mit Courage!
Für dieses Wochenende habe ich zwei kurze Gedichte
ausgesucht, die beschreiben, dass im Winter die Samen unter dem Schnee oder im
Boden versteckt zu keimen beginnen, die uns später im Jahr entweder mit Brot
versorgen oder als Blumen mit ihrer Schönheit erfreuen. Beide Dichter,
Friedrich Wilhelm Weber und Eduard Mörike lebten im neunzehnten Jahrhundert
ungefähr zur gleichen Zeit.
In der Winternacht - Friedrich
Wilhelm Weber (1813-1894)
Es wächst viel Brot in der Winternacht,
weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
spürst du, was Gutes der Winter tat.
Und deucht die Welt dir öd und leer,
und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht
es wächst viel Brot in der Winternacht.
Im Winterboden schläft ein Blumenkeim - Eduard Mörike
(1804-1875)
Im Winterboden
schläft ein Blumenkeim.
Der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel
in Frühlingsnächten wiegt den samtnen Flügel,
nie soll er kosten deinen Honigseim.
Wer aber weiß,
ob nicht sein zarter Geist,
wenn jede Zier des Sommers hingesunken,
dereinst, von deinem leisen Dufte trunken,
mir unsichtbar, dich blühende umkreist?
Das erste Sonntagsgedicht in diesem Jahr passt meiner
Meinung nach hervorragend zu unserer derzeitigen Situation. Es beschreibt das
aktuelle Wetter (jedenfalls hier in Wuppertal) – bedeckter Himmel und Schnee – und
es will uns Mut machen, (trotz Corona) nach draußen an die frische Winterluft zu
gehen und die erlaubten und möglichen Freiheiten zu genießen.
Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
Der Himmel grau, die Erde weiß;
Hei, wie der Wind so lustig pfeift,
Hei, wie er in die Backen kneift!
Doch meint er’s mit den Leuten gut,
Erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker, schämet euch.
Kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
Da hebt erst recht der Jubel an!
Dies ist der letzte Beitrag meines Adventskalenders mit insgesamt 50 Gedichten zur Advents- und Weihnachtszeit an 39 Tagen vom ersten Advent bis zum heutigen Dreikönigstag. Die Auswahl und das Lesen und Aufnehmen der bekannten und unbekannten Gedichte, deren Entstehungszeit von der Mitte des 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts reichte, hat mir viel Spaß gemacht, so dass ich beschlossen habe, auf meinem Literaturblog weiterhin wöchentlich ein "Sonntagsgedicht" zu veröffentlichen. Schaut also immer wieder hier hinein oder meldet euch für meinen Newsletter an (rechts am Rand) und teilt auch gerne den Link zu meinem Blog.
Die Heil'gen Drei Könige - Heinrich Heine (1797-1856)
Die Heil'gen Drei Könige aus Morgenland,
sie frugen in jedem Städtchen:
„Wo geht der Weg nach Bethlehem,
ihr lieben Buben und Mädchen?"
Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
die Könige zogen weiter;
Sie folgten einem goldenen Stern,
der leuchtete lieblich und heiter.
Der Stern blieb stehn über Josephs Haus,
da sind sie hineingegangen;
Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
die Heil'gen Drei Könige sangen.
Die heiligen drei Könige - August
Wilhelm Schlegel (1767 – 1845)
Aus fernen Landen kommen wir
gezogen;
Nach Weisheit strebten wir seit langen Jahren,
Doch wandern wir in unsern Silberhaaren.
Ein schöner Stern ist vor uns hergeflogen.
Nun steht er winkend still am
Himmelsbogen:
Den Fürsten Juda’s muss dies Haus bewahren.
Was hast du, kleines Bethlehem, erfahren?
Dir ist der Herr vor allen hochgewogen.
Holdselig Kind, lass auf den
Knie’n dich grüßen!
Womit die Sonne unsre Heimat segnet,
Das bringen wir, obschon geringe Gaben.
Gold, Weihrauch, Myrrhen, liegen dir zu Füßen;
Die Weisheit ist uns sichtbarlich begegnet,
Willst du uns nur mit einem Blicke laben.
Im letzten kurzen Wintergedicht meines Adventskalenders beschreibt Rainer Maria Rilke einen verschneiten Wintertag. Morgen könnt ihr das letzte Türchen meines lyrischen Kalenders mit zwei Gedichten zum Dreikönigstag öffnen.
Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.
Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, –
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.
An den nächsten drei Tagen sind hier Wintergedichte zu finden. Den Anfang macht Gustav Falke, der in seinem Gedicht die Atmosphäre einer Winternacht mit einem rot aufsteigenden Mond und einer vorbeifliegenden Krähe über einem schneebedeckten Feld schildert.
Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.
Zum neuen Jahr ein neues Herze,
ein frisches Blatt im Lebensbuch.
Die alte Schuld sei ausgestrichen
und ausgetilgt der alte Fluch.
Zum neuen Jahr ein neues Herze,
ein frisches Blatt im Lebensbuch!
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen!
Die Erde wird noch immer wieder grün.
Auch dieser März bringt Lerchenlieder.
Auch dieser Mai bringt Rosen wieder.
Auch dieses Jahr lässt Freuden blühn.
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen.
Die Erde wird noch immer grün.
Die beiden Neujahrsgedichte von Hoffmann von Fallersleben und Wilhelm Busch, die vor mehr als 150 Jahren entstanden sind, übermitteln uns die besten Wünsche für ein schönes neues Jahr, dem wir positiv entgegenblicken sollen.
Das alte Jahr vergangen ist,
Das neue Jahr beginnt.
Wir danken Gott zu dieser Frist,
Wohl uns, dass wir noch sind!
Wir sehn aufs alte Jahr zurück
Und haben neuen Mut:
Ein neues Jahr, ein neues Glück!
Die Zeit ist immer gut.
Ja, keine Zeit war jemals schlecht:
In jeder lebet fort
Gefühl für Wahrheit, Ehr’ und Recht
Und für ein freies Wort.
Hinweg mit allem Weh und Ach!
Hinweg mit allem Leid!
Wir selbst sind Glück und Ungemach,
Wir selber sind die Zeit.
Und machen wir uns froh und gut,
Ist froh und gut die Zeit
Und gibt uns Kraft und frohen Mut
Bei jedem neuen Leid.
Und was einmal die Zeit gebracht,
Das nimmt sie wieder hin -
Drum haben wir bei Tag und Nacht
Auch immer frohen Sinn.
Und weil die Zeit nur vorwärts will,
So schreiten vorwärts wir;
Die Zeit gebeut, nie stehn wir still,
Wir schreiten fort mit ihr.
Ein neues Jahr, ein neues Glück!
Wir ziehen froh hinein,
Denn vorwärts! vorwärts! nie zurück!
Soll unsre Losung sein.