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In diesem Weblog berichte ich über meine verschiedenen Leseprojekte, insbesondere über die Entstehungsgeschichte meiner Bearbeitung von Mark Twains „Tagebüchern von Adam und Eva“.

Außerdem gibt es Einiges über meine früheren Tätigkeiten am Theater und meine Hörbuch-Aufnahmen zu erfahren.

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Samstag, 5. Mai 2018

Tucholsky-Lesung im Literaturcafé 50+

Bei mir hat sich wieder die Gelegenheit für eine Lesung ergeben, da die eigentlich Vortragende relativ kurzfristig absagen musste.
Daher werde ich am kommenden Dienstag, dem 8.5.2018, beim Literaturcafé 50+ in der Begegnungsstätte des SHW in Wuppertal-Ronsdorf, Erbschlöer Str. 9, gemeinsam mit Dorothea Glauner, die das Literaturcafé an jedem zweiten Dienstag des Monats leitet, Gedichte und Texte von Kurt Tucholsky vortragen.
Mein Programm, das ich ja schon mehrmals vorgestellt habe, habe ich dazu wieder ein wenig variiert, so dass es jetzt im Wechsel von Lyrik und Prosa heitere und besinnliche, manchmal auch satirische und zum Nachdenken anregende Texte beinhaltet.
Das Motto "Und dazu ziehn Sie'n Smoking an...?" stammt aus Tucholskys Gedicht "Frage" aus dem Jahre 1930, das ich Ihnen unten vorstelle.


                  Frage

            Es laufen vor Premieren
Gerüchte durch die Stadt:
Nun kommt, was man in Sphären
noch nicht gesehen hat.
Doch hat der Rummel sich gelegt
– so aufgeregt, so aufgeregt –
dann frag ich still, so leis ich kann:
»Und dazu ziehn Sie 'n Smoking an –?«

            Es steigen große Bälle,
und die Plakate schrein.
Man muß auf alle Fälle
da reingetreten sein.
Der Sekt ist warm, die Garderobe kalt.
»Ich glaube, Lo, nun gehn wir bald . . . «
Zu Hause sehn sich alle an:
»Und dazu ziehn wir 'n Smoking an –?«

            Es prangt in den Journalen
das Bildnis einer Frau.
Schön ist sie angemalen,
hellrosa, beige und blau.
Dir glückts . . . ihr Widerstand erschlafft . . .
Na, fabelhaft! Na, fabelhaft?
Grau ist der Morgen . . . welk der Strauß . . .
Und dazu zieh ich 'n Smoking aus –?

            Willst du nach oben schweben,
fällst du auf den Popo.
Und überhaupt das Leben,
es ist gemeinhin so:
Erst viel Geschrei und mächtiger Zimt.
Sieh nur, wie alles Karten nimmt!
Aber mehrstenteils, o Smokingmann:
Zieh ihn gar nicht erst an! Zieh ihn gar nicht erst an –!

Kurt Tucholsky unter dem Pseudonym Theobald Tiger in 
"Die Weltbühne", 18.02.1930, Nr. 8, S. 289

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